Der Vorsitzende der LINKEN, Klaus Ernst, bezeichnet den heute
vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht als "Dokument
wirtschaftspolitischen Versagens". Deutschland sei auf die durch die
Wirtschaftskrise bevorstehenden Turbulenzen nicht ausreichend
vorbereitet. Ernst fordert eine Stärkung der Binnenkonjunktur durch
eine Politik für höhere Löhne und Sozialleistungen sowie die schnelle
Realisierung eines Konjunkturpakets gegen die Krisenfolgen. Er erklärt:
Der Jahreswirtschaftsbericht ist ein Dokument wirtschaftspolitischen
Versagens. Europa steht am Rand einer gewaltigen Krise. Die Prognose der
Bundesregierung spiegelt die Folgen einer falschen Politik wieder. Das
Jahr 2012 bringt keine verteilungspolitische Wende. Die Masseneinkommen
steigen nur minimal stärker als die Preise. Vom Export kommen keine
Wachstumsimpulse, weil Merkel und Rösler bei den europäischen Nachbarn
gigantische Kürzungsorgien durchgesetzt haben. Die Investitionen
brechen ein, weil es für die Banken attraktiver ist, an unregulierten
Finanzmärkten zu spekulieren, als den Unternehmen Geld zu leihen. Die
Binnennachfrage kann diese Einbrüche nicht auffangen, weil die
Zuwächse bei den Löhnen nur minimal sind.
Deutschland ist kein Stabilitätsanker sondern ein Schiff ohne Kompass
im Auge des Sturms. Schwarz-Gelb hat nichts getan, um das Land auf die
kommenden Turbulenzen vorzubereiten. Wir brauchen eine Kehrtwende in der
Verteilungspolitik. Dazu muss es in der Bundesrepublik 2012 vor allem
eine Lohn- und Sozialoffensive geben. Steigende Löhne, steigende
Renten, steigende Sozialleistungen, das kurbelt die Binnennachfrage an
und zieht Europa aus der Krise. Dazu müssen die Lohnbremsen aus dem
Arbeitsrecht raus, und die Kürzungsfaktoren müssen aus der
Rentenformel gestrichen werden, damit die Rente wieder mit den Löhnen
steigt. Alle Sozialleistungen müssen darauf überprüft werden, ob sie
die wirklichen Bedarfe abbilden und mit der Inflation Schritt gehalten
haben. Es gilt die Formel: Wer etwas für die Bürgerinnen und Bürger
tut, tut etwas für Europa.