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14. Juli 2011

Interview von Cuba Si mit Klaus Ernst und Gesine Lötzsch

Die AG Cuba Sí feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. Wie seht ihr die Rolle von Cuba Sí innerhalb unserer Partei - in der Geschichte der PDS bis zur LINKEN - heute und künftig? Welche Erwartungen habt ihr, hat die Parteiführung an Cuba Sí?

Gesine: Die AG Cuba Sí ist seit ihrer Gründung fester Bestandteil der PDS bzw. der LINKEN. Die AG hat den Gedanken der Solidarität und des Internationalismus über all die Jahre in der Partei hochgehalten und ihn manchmal auch bei dem einen oder anderen Genossen wieder in Erinnerung gebracht.

Klaus: Cuba Sí sollte sich auch weiterhin in die Debatten in der LINKEN einmischen. Eine starke LINKE mit internationalistischem Anspruch ist auch gut für linke Politik international. Cuba Sí erfüllt in unserer Partei und darüber hinaus eine wichtige Funktion der Information über die gesellschaftlichen Prozesse in Lateinamerika.

Kuba hat in unserer Partei viele Freunde und Unterstützer. Wie steht ihr zu Kuba? Beteiligst ihr euch privat, in euren Basisgruppen oder in eurem Wahlkreis an Aktionen der Kuba-Solidarität?

Klaus: Ich bin sehr beeindruckt von den Errungenschaften auf dem Gebiet des Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesens, die für viele Länder der sogenannten Dritten Welt beispielhaft sind und die trotz großer Widerstände von außen auch nicht aufgegeben werden. Mich hat das berühmte Zitat Che Guevaras „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“ immer sehr berührt.

Gesine: Ich will an dieser Stelle der AG Cuba Sí mal ein großes Kompliment aussprechen für ihr konsequentes solidarisches Engagement in Kuba. Besonders beeindruckt mich die Solidaritätskampagne „Milch für Kubas Kinder“, die bereits seit 20 Jahren mit zunehmender Aufmerksamkeit läuft und die auch ich aktiv unterstütze, indem ich für sie spende und – sowohl in meinem Wahlkreis als auch darüber hinaus – für sie werbe.

DIE LINKE ist eine starke linke Partei in Europa, und befreundete
europäische Parteien schauen mit großem Interesse und mit Neugier auf die Entwicklung der LINKEN. Inwiefern kann sie in dieser Vorbildrolle ein Motor für die solidarische Zusammenarbeit der europäischen Linken mit fortschrittlichen Bewegungen, z. B. in Lateinamerika, sein?

Klaus: DIE LINKE hat gezeigt, dass sich linke Kräfte zusammenschließen und sowohl parlamentarisch als auch außerparlamentarisch eine starke Kraft bilden können. Wir sollten auch Vorreiter sein, wenn es um linke Bündnisse in der Gesellschaft, mit Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, über Partei- und Fraktionsgrenzen hinaus geht. Dass DIE LINKE mit Cuba Sí eine starke Solidaritätsorganisation in ihrer Parteistruktur hat, ist ein großer Vorteil und sollte auch als solcher gesehen werden. Ich bin sehr dafür, die Erfahrungen von Cuba Sí stärker zu nutzen, den Austausch mit linken Bewegungen international zu fördern, zu pflegen und damit die europäische und die internationale Linke näher zusammenzubringen.

Für viele Menschen in Lateinamerika ist Kuba ein Vorbild, ein Beispiel für Standhaftigkeit. Ohne Kuba wären die anti-neoliberalen Entwicklungen in Lateinamerika nicht vorstellbar. Mehrere Staaten versuchen, dem vorherrschenden Neoliberalismus ein alternatives Wirtschaftsmodell entgegenzusetzen. Was können wir uns als europäische Linke und als deutsche LINKE von diesen Entwicklungen abschauen?

Gesine: Sehr viel, zum Beispiel, dass eine breite Basis linker und sozialer Bewegungen und eine aktive Beteiligung der Menschen nachhaltige politische Veränderungen herbeiführen können. Dass solidarisches Denken und Handeln an der Basis und in der Politik ein solidarisches Wirtschaftsmodell hervorbringen und befördern kann, auch wenn der politische und wirtschaftliche Gegner übermächtig erscheint.

Wer sich mit Kuba beschäftigt, hat es auch immer mit drei Forderungen zu tun: die Beendigung der US-Blockade, die Aufhebung des "Gemeinsamen Standpunktes" der EU gegen Kuba und die Freilassung der Cuban Five. Was haltet ihr von der Idee, dass die LINKE in dieser Richtung mit einer konkreten Aktion aktiv wird, zum Beispiel im Rahmen des Europatreffens der Kuba-Solidarität 2012 in Berlin?

Gesine: Seit 50 Jahren wird versucht, Kuba ein anderes Gesellschaftsmodell aufzuzwingen. Die Invasion in der Schweinebucht, die Handels-, Wirtschafts- und Finanzembargo der USA, der sogenannte Gemeinsame Standpunkt der EU – all diese Maßnahmen hatten und haben nur ein Ziel: den Systemwechsel in Kuba. Wir wollen, dass Kuba als gleichberechtigter Partner und mit Respekt vor der Souveränität des Landes und dem Nichteinmischungsgebot der UN-Charta behandelt wird. Ich bin sehr dafür, diese Forderungen mit konkreten Aktionen zu unterstützen. Lasst uns gemeinsam darüber nachdenken.

Klaus: Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie ohne Vorbedingungen Gespräche über eine Entwicklungszusammenarbeit mit Kuba aufnimmt, dass sie sich für die Aufhebung der US-Blockade und des Gemeinsamen Standpunktes der EU sowie für die Freilassung der Cuban Five einsetzt.

Gern würden wir euch unsere Landwirtschaftsprojekte in Kuba einmal persönlich zeigen. Plant ihr vielleicht eine Reise nach Kuba? Kennt ihr Kuba aus eigenem Erleben?

Gesine: Leider war ich noch nicht in Kuba, kenne aber viele Menschen, die bereits dort waren und  von dieser wunderschönen Insel und ihren sympathischen, liebenswerten Bewohnern schwärmen. Sehr gern nehme ich das Angebot an, mir eure Landwirtschaftsprojekte in Kuba persönlich anzusehen, auch wenn ich heute noch keinen Termin dafür sagen kann.

Klaus: Ich war vor ein paar Jahren zusammen mit Oskar Lafontaine in Kuba. Neben Land und Leuten waren insbesondere die praktische Umsetzung der Gesundheitsversorgung und Schulbildung mit all ihren Problemen und Chancen interessant. Mittelfristig plane ich auch wieder einen Besuch.

Ohne die vielen treuen Spender und die unzähligen ehrenamtlichen
Helfer wäre Cuba Sí nicht so erfolgreich. Würdet ihr anlässlich des Jubiläums "20 Jahre Cuba Sí" eine kleine "Grußadresse" an die Cuba-Sí-Aktivisten formulieren?

Gesine: Sehr gern. Ein herzliches Dankeschön für die über nunmehr zwanzig Jahre lang geleistete hervorragende Arbeit! Eine solidarische Gemeinschaft kann nur durch die aktiv gelebte Solidarität entstehen und sich entfalten. An diesem Ziel arbeiten die Cuba sí-Aktivisten und Unterstützer tatkräftig mit.

Klaus: Dafür danken wir allen Spenderinnen und Spendern ganz herzlich: Macht weiter so und lasst nicht nach in eurem großartigen Engagement!


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