Beindruckend liegt das russische Tankerschiff in der riesigen Trockendockhalle der Nordic Yard in Wismar, die ich am Mittwoch, dem 27. Juli, besuchte. Begleitet wurde ich von den beiden Landtagskandidatinnen Renate Lüders und Simone Oldenburg und vom ehemaligen Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Methling. Wer hätte das gedacht: Noch vor gut eineinhalb Jahren sah es so aus, als würden die Lichter bei der Wismarer Werft endgültig ausgehen. Damit wäre die lange Tradition des Schiffsbaus in Wismar unrühmlich zu Ende gegangen. Bis 1990 wurden hier über 900 Schiffe für den Weltmarkt gebaut. Einst beschäftigte die VEB Mathias-Thesen-Werft Wismar gut 8000 Männer und Frauen. Nach der Wende ging die Werft 1992 an die Bremer Vulkan Werft, die 1994 Konkurs anmelden musste. Nach mehreren Eigentümerwechseln hatten sich die Banken geweigert, eine Bürgschaft von 80 Millionen Euro für die Vorfinanzierung neuer Schiffe zu übernehmen, obwohl es nicht an Aufträgen mangelte. 1300 Männer und Frauen arbeiteten damals noch auf der Werft, die der größte Arbeitgeber und damit der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Region war, denn auch viele Zulieferer wären von der Pleite betroffen gewesen.
Der Betriebsrat und die Geschäftsführung berichteten von der dramatischen Rettungsaktion: Demos wurden organisiert, Protestschreiben verfasst und es wurde an die Politik appelliert, Druck bei den Banken zu machen. Überregional wurde der Fall der Wadan Werft vor allem durch den Film "Wadans Welt – von der Würde der Arbeit" von Dieter Schumann bekannt, der zur Zeit in den deutschen Kinos läuft und die Werft und ihre Beschäftigten auf eindrucksvolle Weise porträtiert.
Erst der Einstieg eines potenten russischen Investors rettete die Werft, die heute an ihren zwei Standorten in Wismar und Warnemünde unter dem Namen Nordic Yard firmiert. Von den einst 1300 Arbeitsplätzen konnten rund 900 gerettet werden. Zwar gibt es die Zusage des Investors, das Personal wieder auf die damalige Zahl aufzustocken, doch zeigt sich, dass trotz guter Auftragslage die Werft nach wie vor um jeden Auftrag hart kämpfen muss. Denn noch immer hängt die Vorfinanzierung der Aufträge von den Banken ab. Statt Dienstleister der Wirtschaft zu sein, sorgten die Banken mit ihrer Verweigerungshaltung eher dafür, dass eine ganze Region vor dem wirtschaftlichen Abgrund stand und mehrere hundert Beschäftigte und ihre Familien ihrer
Lebensgrundlage beraubt wurden. Noch immer merkt man in den Gesprächen mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten, wie tief der Schock von damals sitzt. Natürlich ist die Angst da, dass die Banken wieder die Vorfinanzierung verweigern. Hier gilt es für die LINKE in Mecklenburg-Vorpommern und ie Bundestagsfraktion, gemeinsam anzusetzen: Wir müssen dafür sorgen, dass die Banken ihren Aufgaben nachkommen und die Wirtschaft, gerade in strukturschwachen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, ausreichend mit Geld versorgen. Einen zweiten Fall Wadan darf es nicht geben.