Ein Betriebsrat bei einem Fußball-Bundesligisten? Ja, dass gibt es wirklich, und zwar beim F.C. St. Pauli. Das musste ich mir genauer anschauen und traf mich deshalb mit dem Betriebsrat und seinem Vorsitzenden, Sven Brux, am Donnerstag, dem 28. Juli, am Millerntor, um mehr über die Betriebsratsarbeit beim Kult-Club zu erfahren.
Als der Verein 2002 mal wieder vor dem finanziellen Ruin stand, beschlossen einige MitarbeiterInnen spontan, einen Betriebsrat zu gründen. "Was bei einem mittelständischen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist, muss erst recht für einen Fußballverein wie den F.C, St. Pauli gelten", so Sven Brux, der seit über 20 Jahren für den Verein arbeitet. Rund 50 Männer und Frauen sind fest beim F.C. St. Pauli angestellt. Dazu kommen weitere 150 bis 200 Beschäftigte, die im Leistungszentrum als Trainer oder Betreuer, im Service-Bereich oder in der Mitgliederbetreuung arbeiten. Mittlerweile ist aus dem F.C. St. Pauli ein wirtschaftlich solide geführter Fußballverein mit klaren Strukturen geworden. Der Stadionumbau wurde in Angriff genommen. Zwei neue Tribünen sind bereits fertig. Am Ende der Ausbauphase soll das Stadion rund 30.000 Plätze fassen.
Und trotzdem ist der F.C. St. Pauli mehr als ein Fußballverein: Mit seinen rund 17.000 Mitgliedern auf der ganzen Welt ist er fest im Stadtteil St. Pauli verankert. Beeindruckt haben mich vor allem die vielfältigen Initiativen, die von den Fans ausgehen. So wird mit dem Projekt Kiez-Kick Jugendlichen zwischen 7 und 17 Jahren ein kostenloses wöchentliches Training ermöglicht. Für mich war vor allem spannend zu erfahren, wie eng die Fans in die Vereinsarbeit eingebunden sind, denn viele Initiativen und Projekte wären ohne das Engagement der Fans überhaupt nicht möglich. Trotz der Professionalisierung des Vereins in den vergangenen 10 Jahren hat sich der Verein seine Identität des etwas anderen Fußballvereins bewahrt.