Bei der Linken gibt es eine weitere Kandidatur für den Parteivorsitz: Der baden-württembergische Landesvorsitzende Bernd Riexinger kündigte seine Bewerbung für den Spitzenposten an, wie Parteichef Klaus Ernst nach Beratungen der Parteispitze in Berlin sagte. Der dem linken Flügel zugehörige Gewerkschafter Riexinger wird auf dem Göttinger Parteitag am Samstag unter anderem gegen Fraktionsvize Dietmar Bartsch antreten.
Es bestehe in der Partei ein "großes Interesse, dass wir eine integrative Lösung für den Vorstand haben", sagte Ernst, der erneut offen ließ, ob er noch einmal antritt. Wichtig sei, dass die Partei in ihrer schwierigen Situation eine Zukunftsperspektive erhalte.
Riexinger betonte in einer Erklärung zu seiner Kandidatur, die Linke habe nur als gesamtdeutsche Partei eine Perspektive. "Meine Kandidatur soll ein Beitrag zur Integration der verschiedenen Strömungen sein und einer weiteren Polarisierung entgegenwirken." Er bezeichnete sich selbst als "linken Gewerkschafter" und bekannte sich zu den bundesweiten Demonstrationen gegen die Agenda 2010 und den Sozialabbau sowie zur so genannten Blockupy-Bewegung gegen die Macht der Banken.
Offen ist Ernst zufolge weiterhin, ob die stellvertrtetende Partei- und Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht für den Vorsitz kandidiert. "Möglich ist momentan sehr viel", sagte Ernst auf die Frage nach einer möglichen Bewerbung der führenden Vertreterin der Parteilinken. Wagenknecht hatte eine Kandidatur bislang abgelehnt, dennoch wird in der Partei spekuliert, dass sie beim Wahlparteitag am Wochenende antritt.
Die Linke muss in Göttingen zwei gleichberechtigte Vorsitzende wählen, von denen mindestens eine weiblich sein muss. Offiziell beworben haben sich bislang unter anderem auch die nordrhein-westfälische Linken-Chefin Katharina Schwabedissen und Parteivize Katja Kipping, die als Team antreten. Außerdem haben die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann und die Hamburger Linken-Fraktionschefin Dora Heyenn unabhängig voneinander ihre Kandidatur für die Doppelspitze der Partei angemeldet.
Um die künftige Parteispitze tobt in der Linken seit längerem ein erbitterter Machtkampf. Bartschs Widersacher, der frühere Parteichef Oskar Lafontaine, hatte seine Bereitschaft zu einer erneuten Bewerbung Anfang vergangener Woche zurückgezogen.