25. Juli 2011

Reisetagebuch: Erfolgreich durch die Wende: Die Jüterboger Agrargenossenschaft

Gemeinsam mit der Jüterboger Bürgermeisterkandidatin der LINKEN, Maritta Böttcher, habe ich am Montag, den 25. Juli die Jüterboger Agrargenossenschaft e.G. besucht. Dabei habe ich mich vom Vorsitzenden der Genossenschaft, Herr Eberhard Mertens und der Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, Silvia Fuchs, ausführlich über die Geschichte der ehemaligen LBG und deren erfolgreiche Umwandlung in eine Agrargenossenschaft informiert. Nach der Wende haben sich die ehemaligen LPG-Mitglieder bewusst für das Genossenschaftsmodell entschieden: Urlaub, feste Arbeitszeiten und die Gewissheit, als Genossenschaftsmitglied an der Gestaltung des Betriebs aktiv mitbestimmen und mitarbeiten zu können hatten damals den Ausschalg gegen die Privatisierung der Genossenschaft gegeben. So sind aus den damals 185 Mitgliedern der LPG Eigentümer einer Agrargenossenschaft geworden. Zweidrittel der Genossenschaftsmitglieder arbeiten heute zudem selbst für den Betrieb.

Nach dem völligen Zusammenbruch des Exportmarktes 1990/1991 galt es neue Abseitsmärkte zu erschließen. Und wie so oft macht die Not erfinderisch: Auf den fast 4000 Hektar Betriebsfläche wird nicht nur Milchtierhaltung, Viehzucht und Masttierhaltung betrieben, die Genossenschaft verfügt auch über eine eigenen Schlachterei mit Direktvermarktung und Vertrieb in der Region – nachhaltiger geht es wohl kaum. Allein in der Fleischerei sind 45 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dem eigenen Erlebnishof Jüterbog-Werder hat man sich ein zusätzliches Standbein geschaffen: Auf dem ehemaligen Vierseithof entstanden ein Familienhotel und Gastronomie. Daneben gibt es eine breite Freizeitplatte von reiten bis Skaten auf dem „Fläming - Skate", Europas längste zusammenhängende Asphaltbahn nur für Skater, Radfahrer und Wanderer.

Die Jüterboger Agrargenossenschaft hat die Wende erfolgreich gemeistert. Was die Menschen hier leisten und in letzten 20 Jahren aufgebaut und erhalten haben verdient aller größte Hochachtung und Anerkennung. Meine haben sie. Gleichzeitig hat sich das Genossenschaftsmodell als solidarisches Wirtschaftskonzept Privatisierungswahn in der Nachwendezeit erfolgreich etabliert. Eigentlich schade: Was im Osten funktioniert, müsste doch auch in den alten Bundesländern machbar sein, oder?