Müssen Linke bio essen? Zu dieser Frage äußert sich Klaus Ernst mit einem Statement zur taz-Streitfrage der Woche. Fazit: nicht nur bio, sondern vor allem auch fair.
Alle Menschen sollten bio essen. Wer bio kauft, kauft cleverer, weil er weniger Pestizide und Schadstoffe konsumiert. Aber: alle Menschen sollten es sich auch leisten können, bio zu essen. Entsprechend heißt linke Politik, dafür zu sorgen, dass alle Menschen über ein Einkommen verfügen, dass sie überhaupt die Wahl haben. Das heißt praktisch: höhere Löhne, ein gesetzlicher Mindestlohn von 10 Euro, höhere Renten und Hartz IV Regelsätze. Ansonsten wird der Wocheneinkauf im Bio-Laden für viele unbezahlbar.
Bevor alle bio essen, gibt es weitere Schritte auf dem Weg zu einer vernünftigeren Produktion von Nahrungsmitteln. Jede und jeder sollte auf dem Wochenmarkt einkaufen, anstatt zum Discounter zu gehen. Das stärkt regionale Kreisläufe und unterstützt die Entwicklung im ländlichen Raum. Saisonale, regionale Produkte sind immer eine gute Alternative.
Neben bio stellt sich für mich als Linken aber auch die Aufgabe, für fair produzierte und fair gehandelte Nahrungsmittel zu sorgen. Nur wenn Bauern und Landarbeiter von ihrem Lohn auch sich und ihre Familie versorgen können, kann ich auch mit gutem Gewissen ihre Produkte genießen. Vergleichbar natürlich Textilien und alle anderen Güter. In dem Sinne kann ich auf die Frage antworten: nicht nur bio, sondern vor allem auch fair.