„Wir brauchen eine realistische Arbeitslosenstatistik“, so die Reaktion von Klaus Ernst auf die Antwort der Bundesregierung zur Beschäftigungssituation der über 58 jährigen auf dem Arbeitsmarkt.
An den 58 bis 65 jährigen ist der Aufschwung am Arbeitsmarkt komplett vorbeigegangen. Während die offizielle Arbeitslosigkeit zwischen 2005 und 2011 von mehr als fünf Millionen auf knapp unter drei Millionen gesunken ist, stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Altersgruppe der 58 bis 65 jährigen sogar noch an. Diese Situation relativiert sich auch nicht dadurch, dass die Bundesregierung grundsätzlich bei der Arbeitslosenstatistik schummelt. Offiziell sind in Deutschland nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit knapp drei Millionen Menschen arbeitslos. Würde die Bundesregierung ehrlich rechnen, stiege diese Zahl um mehr als eine Million an. Menschen die in einem 1-Euro-Job sind, die krank sind oder in die beruflich Weiterbildung abgeschoben sind, tauchen in der offiziellen Statistik nicht auf.
Diesen Kurs der Schonfärberei führt die Bundesregierung bei den über 58 jährigen fort. Für Bundesministerin von der Leyen sind die Älteren „die Gewinner am Arbeitsmarkt“. Keine Altersgruppe hätte vom Aufschwung mehr profitiert als die Älteren. Dabei zeigt sich, dass auch bei den älteren Arbeitslosen nicht alle Betroffenen in der offizielle Statistik erfasst werden. Im August waren 291.380 Arbeitslose in der Gruppe der über 58 jährigen registriert. Hinzu kommen 211.222 „nicht arbeitslose Arbeitssuchende.“ Diese tauchen in der Statistik nicht auf, weil sie als 1-Euro-Jobber beschäftigt sind, eine Fortbildung der Arbeitsagentur absolvieren oder in den Vorruhestand getreten sind. „Zu Beginn des Jahres 2011 sind rund 43 Prozent der Bezieher arbeitslos registriert“, heißt es in einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage von Linkspartei-Chef Klaus Ernst. Mit anderen Worten: 57 Prozent der Arbeitslosen in der Altersgruppe der über 58 jährigen werden von der Bundesregierung nicht als arbeitslos erfasst, obwohl sie es sind. Im Vorjahr waren es nur 39 Prozent und 2007 sogar nur 14 Prozent. „Die Regierung sollte einen neuen Prüfbericht über die Situation der älteren Beschäftigten vorlegen,“ so Klaus Ernst zu den von der Bundesregierung veröffentlichten Zahlen.
Antwort der Bundesregierung als PDF