Um sich direkt über die Auswirkungen der Sparauflagen auf die griechische Bevölkerung zu informieren sowie mit den Protesten dagegen zu solidarisieren, traf sich Klaus Ernst in Athen mit Vertreter/innen der EL-Partei Synaspismos sowie Gewerkschafter/innen in Griechenland.
In seiner Rede auf einer öffentlichen Veranstaltung gemeinsam mit Alexis Tsipras, Vorsitzender Synaspismos, im Athener Vorort Kesariani betonte Klaus Ernst die falsche Politik von IWF und Europäischer Union, die in Griechenland zu einem Absturz der Wirtschaftsleistung und zu einem Einbruch der Binnennachfrage geführt hat. "In der gegenwärtigen Auseinandersetzung geht es darum, ob wir den europäischen Sozialstaat und die Demokratie verteidigen können, oder ob die Banken das Ruder übernehmen und die Arbeitnehmer, die Rentner, die Arbeitslosen, die Studenten, kurz: die Mehrheit, demütigen und entwürdigen," so Klaus Ernst bei seiner Rede in Athen.
Privatisierungen, Renten- und Lohnkürzungen, eine weitere Deregulierung des Arbeitsmarktes und Sozialkürzungen schaden der griechischen Bevölkerung und langfristig auch allen anderen Beschäftigten in Europa. Ein Punkt lag Klaus Ernst in Athen besonders am Herzen: "Die Grenzen verlaufen nicht zwischen Griechen und Deutschen sondern zwischen Arm und reich, zwischen Menschen und Banken." Weil diese Position für DIE LINKE unumstößlich ist, "haben wir Nein zum sogenannten Euro-Rettungspaket gesagt, weil wir dagegen sind, dass in Griechenland und anderswo die Löhne, die Renten und der Sozialstaat gekürzt werden."
Bundeskanzlerin Merkel, die im Duo mit dem französischen Präsidenten Sarkozy, die europäische Krisenpolitik dominiert, nannte Ernst die gefährlichste Frau Europas. Klaus Ernst rief den Teilnehmern der Kundgebung zu: "Angela Merkel erpresst die Bürger Europas. Wir stehen auf der Seite derer, die sich dagegen wehren und für ihre Interessen auf die Straße gehen. Ihr könnt auf uns zählen. Wir müssen den Kampf für den europäischen Sozialstaat zusammen europaweit führen und unsere Aktionen koordinieren. Im Moment ist es so: Heute streiken die Griechen, morgen die Portugiesen und übermorgen andere. Das muss sich ändern. Wir sollten gemeinsam mit den Gewerkschaften dazu kommen, dass wir künftig solche Aktionen europaweit gleichzeitig durchführen. Wir brauchen den europaweiten Widerstand gegen Sozialabbau und die Macht der Banken."
Aber auch auf den historischen Hintergrund des Veranstaltungsortes ging Klaus Ernst ein. In Kesariani richtete die deutsche faschistische Besatzungsmacht 1942 eine Hinrichtungsstätte zur Ermordung von griechischen Widerstandskämpfern ein. Fast täglich fanden Erschießungen, zu denen die Häftlinge meist vom KZ Chaidari durch Athen transportiert wurden, statt. Insgesamt 600 Menschen, darunter auch acht jugendliche Widerstandskämpfer und 200 Kommunisten, fanden in Kesariani ihren Tod. Ernst gedachte diesem dunklen Kapitel in der deutsch-griechischen Geschichte und forderte dazu auf, rechten und faschistischen Umtrieben immer und überall entschlossen entgegen zu treten.