21. Juni 2011

Eindrücke aus einem (fast) „befreiten" Land

Italien empfängt uns am 30. Mai mit erfreulichen Nachrichten: Mitte-Links erobert Städte wie Mailand, Neapel und Cagliari und verpasst Berlusconi & Co eine schmerzhafte Wahlniederlage. Mit Freude im Herzen können wir uns unserem vollen Terminkalender widmen, denn wir wollen vor Ort erfahren, ob die Italierinnen und Italiener Berlusconi wirklich loswerden wollen und welchen Beitrag die Linke hierbei leisten kann. 

Nach den Kommunalwahlergebnissen haben sich die Chancen wesentlich verbessert. In fast allen Regionen Italiens haben sich die BürgerInnen aktiv durch eine Vorwahl an der Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten mit den glaubwürdigsten (linken) Angeboten beteiligt. Motto: „Man gewinnt nicht mit neoliberal – man gewinnt mit links!“ In der Tat: Breite Mitte-Links-Bündnisse haben es mit den Kandidaten der BürgerInnen geschafft.

Der politische Wandel in Italien war Thema unserer Gespräche in Rom mit Paolo Ferrero (PRC-Vorsitzender), Fausto Bertinotti, ehemaliger Parlamentspräsident und PRC-Vorsitzender und Maurizio Landini, Chef der FIOM, der italienischen IG-Metall. Alle freuen sich über den „frischen Wind“, der über Italien weht, der die verpestete Luft des Berlusconismo wegzublasen scheint. Ferrero betont u.a. die Schwierigkeiten die Einheit der Linken zu erreichen; Bertinotti und Landini heben die Bedeutung der permanenten Mobilisierung von großen Teilen der italienischen Gesellschaft gegen die Politik der Regierung Berlusconis hervor. „In aller Bescheidenheit haben wir unseren Beitrag zum politischen Wandel in Italien geleistet“ meint Landini, dessen Gewerkschaftsorganisation als Motor der sozialen Opposition in Italien gilt, denn sie kämpft gegen Reformen des Tarifvertrags, die mit der italienischen Verfasstheit und der „Arbeitsrepublik“ Schluss machen wollen. Dann besuchen wir die Redaktion einer der berühmtesten unabhängigen Zeitungen in Italien, IL MANIFESTO (giornale comunista),  entstanden 1971 und ein Teil der linken Geschichte Italiens. Dort erfahren wir viel Interesse an der deutschen LINKEN. 

Die letzte Etappe unserer Reise liegt im Absatz des italienischen Stiefels, in Bari. Hier regiert seit sechs Jahren Nichi Vendola, den viele in Italien als Hoffnungsträger des Mitte-Links-Lagers sehen. Er gewann bereits zweimal die Regionalwahlen.

Am Ende unseres kurzen aber intensiven Besuchs in Italien hatten wir alle das Gefühl, die manchmal rätselhaften Verhältnisse in Italien viel besser zu verstehen.